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Im Rokoko-Saal verschwimmen die Grenzen

29 Nov
Lehrer und Schüler spielen gemeinsam beim "Podium Musikschule"

Text und Bild aus der Lippischen Landes-Zeitung vom 29.11.2011 von Andreas Schwabe. Ältere Mitbürger hätten am Sonntag meinen können, in der städtischen Musikschule stehe die Welt Kopf. Die Alten spielten Populäres und die Jungen Klassisches. Aber erstens verlaufen Grenzen der Musik gar nicht da, wo man sie manchmal vermutet, und zweitens war wichtiger, dass Schüler und Lehrer zusammen musizierten.

Der Ort dieses scheinbar erstaunlichen, aber vor allem ebenso nach innen wie nach außen wichtigen und für alle Beteiligten höchst unterhaltsamen Geschehens war das "Podium Musikschule" im Rokokosaal des Schlosses Stietencron. Musikschulleiter Stephan Otters erinnerte zur Begrüßung der vielen Besucher an die große Bedeutung, die das Musizieren für Menschen hat. Gerade im Leben junger Leute habe es eine stabilisierende Wirkung auf die Bildung des sich formenden Charakters.

Wie viel Freude das Musizieren in jedem Alter macht, zeigte Stephan Otters den Besuchern höchstpersönlich. Im zweiten Teil des Konzertes griff er zum Kontrabass, um der "Tango-Truppe" der Musikschule mit dem interessanten Farbenspiel zwischen Geige (Hannes Niedernolte), Akkordeon (Alexander Schamei), Gitarre (Mario Senge) und Klavier (Wolfgang Cremer) immer wieder den richtigen Schwung zu geben. Die Tangos hatte Astor Piazolla (1921-1992) komponiert - einer der Komponisten, die inzwischen mühelos die Grenzen zwischen Klassik und Pop überschreiten. Dass der vor allem als Gitarrist bekannt gewordene Ralph Towner (geboren 1940) ebenfalls in diese Gruppe gehört, machte Manfred Matulla in zwei höchst anspruchsvoll gesetzten und doch so vitalen Kompositionen des Jazzmusikers hörbar.

Vor der Pause klassisch: Ludwig van Beethoven (1770-1827), Sergej Rachmaninow (1873-1943), Frederic Chopin (1810-1849). Dabei machte gerade Robert Blüml mit seiner engagierten Darstellung eines Preludes des Russen hörbar, das in jeder Musik Leib und Seele zusammengehören. Diese Lebendigkeit strahlte auch das Allegro der "Frühlingssonate" des Bonners aus, die die Schülerin Carolin Sachs (Klavier) und der Lehrer Hannes Niedernolte (Geige) zusammen spielten.

Alle Aktiven ernteten viel Beifall von einer Zuhörerschaft, die den Abend in einer Gemeinschaft, in der der eine von dem anderen lernt, sichtlich genoss. Was will Musik mehr?

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